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Ausstellung | exhibition: Loitz, Simulakren und Memory

Loitz

Simulakren und Memory

Ein Reittouristikheim der DDR. Von der Tischdecke über die Möbel bis zum Geschirr ist alles original erhalten. Die Räume atmen den Geist seit Jahrzehnten vergangener Momente. Die Zeit vergeht anders in diesem Gebäudeensemble. Eine Art Zeitkapsel.

Mitten in den bedrohlichen Ereignissen unseres Jahrzehnts in einem anderen Jahrtausend gibt es einen Ort, der wie eine doppelte Realität dazu einlädt, zwischen den Zeiten zu spazieren. Diese sind auch keine Idylle, eben geprägt von den damaligen Umständen. Und dennoch fühlt man in den Räumen, dass Menschen hier Frieden und Erholung suchten.

Freundliche Farben, entsprechend dem Trend der sechziger und siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, fröhliche Muster, unbefangene Bilder an den Wänden.

Und an dieser Stelle wird die Doppelbödigkeit nicht nur spür- sondern auch sichtbar.

Unter jedem der freundlichen trivialen Bilder, der Stadtansichten, Strohblümchen, Kalenderblätter und Pferdefotos hat Barbara Camilla Tucholski eine neue Realität angelegt. Unter jedem Bild existiert das gleiche Bild noch einmal und gleichzeitig ganz anders. In Malerei übertragen, mit der Hand gefertigt, bewusst gesehen und erlebt, passiert die Vorlage Revue und wird verwandelt in etwas anderes, leise in die Atmosphäre des Raumes schwingendes. Und dieses andere existiert fast unbemerkt unter den harmlosen Bildern an den Wänden.

Diese Doppelung der Realität auf mehreren Ebenen ist das Moment, das mich bewegt, wenn ich diese Räume erlebe.

Das ist der Ausgangspunkt meiner Arbeit, für die ich für und während meines artist in residence im Frühjahr und Sommer 2022 das Künstlergut Loitz befrage und erforsche.

Dabei gehe ich von Fotos aus. Ich fotografierte die Zimmer, Teile des Interieurs, zufällige Stillleben mit der Kamera des Handys und auch mit der Polaroidkamera.

Dann begann ich Teile dieser Fotos in Malerei umzusetzen. Durch diesen Prozess dupliziere ich die Ebenen der Realität weiter. Ein Foto des Raums wird zum Bild des Fotos des Raums.  Durch die Wahl des Ausschnitts, durch Hinzufügen oder Weglassen, durch Farbwahl und Duktus verdichte ich die Eindrücke. Durch den langsamen Malprozess reichere ich die Bilder mit meiner Lebenszeit an, erhöhe ihren Zeitlevel.

Für die Malerei wählte ich das Format 15 x 15 cm. Ein kleines Format, das die Intimität der Räume wahrt, in denen die Menschen Zuflucht vor ihrem Alltag suchten und ihr persönliches Glück erlebten. Und ein perfektes Format, gilt es doch in der euklidischen Geometrie als zweidimensionaler Hyperwürfel. Gleichzeitig erinnert es an eine Bühne, die den Blick auf inszeniertes Leben freigibt.

Wenn die Bilder fertig gemalt sind, werde ich sie fotografieren, diese Fotos ausdrucken. Von den gedruckten Fotos nehme ich mit Lösungsmitteln einen manuellen und einmaligen Druck ab, der zufällige Elemente enthält wie Farbverläufe, Verwischungen und weitere fast malerische Spuren.

Und um diese verschiedenen Ebenen der Realität zusammenzuführen, werde ich ein Memory drucken lassen. Das Spiel, das auf das Erinnerungsvermögen abzielt, das Paarungen herstellt und von der verzweifelten Suche nach Klarheit geprägt ist.

In einigen Fällen wird so das Bild an der Wand zu Barbaras Malerei, zum Foto, zu meiner Malerei, wieder zum Foto, zum seriellen Druck des Fotos, zum manuellen Unikatdruck und schlussendlich zur gedruckten Memorykarte.

Mit diesem Kinderspiel mit und in den Räumen des Künstlergutes Loitz können die Besucher*innen sich auf die Suche machen nach den Blickwinkeln, den Ebenen der Realitäten und der Atmosphäre vergangener Tage  in den Räumen nachspüren, die wie ein leises Blätterrauschen immer noch in den Wänden hängt.

Ich habe von Zeit zu Zeit einen wiederkehrenden Traum:

In den Räumen in denen ich lebe, die ich kenne und die mir vertraut sind, entdecke ich unverhofft eine Tür, die ich noch nie bemerkte. Wenn ich durch diese Tür trete, komme ich in Räume, die genau so geschnitten sind wie die Räume die ich kenne in gespiegelter Anordnung. Sie sind genau so groß, vielleicht sind sie ein bisschen weniger licht, etwas blasser. Manchmal finde ich Spuren und Relikte früherer Bewohner*innen. Ich bin glücklich über die Möglichkeiten, die mir diese plötzlich geschenkten neuen Zimmer bieten. Ich nenne sie „Negativräume“, weil sie mich an das Negativ eines Fotos erinnern. Gleiche Formen bei anderer Hell-Dunkel-Verteilung.

Ich weiß nicht, ob man in Negativräumen schlafen kann.  

 

Svenja Wetzenstein

Faltblatt 1
Faltblatt 2

Ausstellung | exhibition: kek Kindermuseum in der Weserburg Bremen, Svenja Wetzenstein: Gedanken-Duft-Labor, ab 08. Mai 2021

Mitmachstation kek Kindermuseum:

„DUFT, SMELL, OLOR, … Multiple Darstellungen des Olfaktorischen in der zeitgenössischen Kunst“ im Zentrum für Künstlerpublikationen, Weserburg Bremen – ein Beitrag zum Gemeinschaftsprojekt „Smell It! Geruch in der Kunst“ 

www.kek-kindermuseum.de/smell-it/ >>>


Svenja Wetzensteins Gedanken-Duft-Labor ist eine Art Wörterfabrik, in der neue Geruchswörter erfunden werden. Wir können vieles riechen, aber nicht immer benennen. Es liegen Kärtchen bereit, die nach dem Geruch verschiedener Gegenstände, Materialien, Orte oder Menschen fragen. Die auf einen farbigen Transparentpapierstreifen geschriebene Antwort wird in ein Reagenzglas gefüllt und die verschiedenen Geruchswörter in den Reagenzgläsern kombiniert. Auf Post-its an der Wand und in einem Buch entsteht eine neue Enzyklopädie von Geruchsmischungen.
Text-Quelle: Weserburg via Instagram >>>


Gedanken-Duft-Labor 1
2
Gedanken-Duft-Labor 3
Gedanken-Duft-Labor 4
Gedanken-Duft-Labor 5

Einführende Worte | opening speach: GaDeWe Bremen, 28.05. - 02.07. 2021

Svenja Wetzensteins verfasste die Einführungsrede zur Ausstellung Indian Silver der Malerin Sabine Wewer.


Sonderöffnungszeit der Ausstellung „Indian Silver“ von Sabine Wewer  am Sonntag, 20. Juni von 15 – 19 Uhr.
Ab 16 Uhr wird die Künstlerin Svenja Wetzenstein über die ausgestellten Werke sprechen.


Wir bitten Sie, die aktuellen Coronabestimmungen zu beachten. Mehr unter:

www.gadewe.de >>>

Ausstellung | exhibition: face to face, Brunswiker Pavillon Kiel, 29.03. - 18.04. 2021 

Die Ausstellung „face to face“ reflektiert auf eine vielfältige Weise die künstlerische Entwicklung und die Tendenzen des Porträt-Genres in Schleswig-Holstein. Die acht Bildenden Künstler*innen stellen ihre Werke im Dialog vor. Alle klassischen Formen der Bildenden Kunst, wie die Malerei, Grafik und die Plastik sind in dieser Ausstellung vertreten.


Megi Balzer
Heino Karschewski
Uschi Koch
Klaus Dieter Schweitz
Manfred Sihle-Wissel
Elena Steinke
Larissa Strunowa-Lübke
Svenja Wetzenstein


Coronabedingt wird keine Eröffnung stattfinden. Es wird eine Beschränkung hinsichtlich der Besucherzahl geben. Eine Voranmeldung ist zur Zeit nicht erforderlich; es kann lediglich zu einer geringen Wartezeit kommen. Wir erheben Ihre Kontaktdaten. Bitte beachten Sie die Maskenpflicht und die geltenden Hygiene- und  Abstandsregeln.


Ausstellung | exhibition: 67. Landesschau des BBK Schleswig-Holstein, Ostholstein-Museum Eutin

Das Ostholstein-Museum hat ab Dienstag, den 9. März 2021,

wieder geöffnetdienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr

 

Zum Schutz der Besucher und Mitarbeiter gibt es vorerst eine Beschränkung hinsichtlich der Besucherzahl. Gruppenführungen werden vorerst nur digital stattfinden. Bitte beachten Sie, dass außerdem nach wie vor bei einem Besuch des Museums Maskenpflicht besteht.


Dr. Schnabel kauft ein (Selbstporträt) | plague doctor goes shopping (self-portrait)

selbst als Dr. Schnabel | myself as plague doctor

Die seit 2015 fortlaufende Serie „selbst als Doktor Schnabel“ zeigt Selbstporträts in der Gewandung eines Pestarztes mit der typischen Schnabelmaske, die die Ansteckung mit der todbringenden Seuche verhindern sollte. Mehr unter >>>


The series “myself as Plague Doctor / Doctor Schnabel” shows (since 2015) self-portraits in the guise of a plague doctor with the typical beak-like mask, which was intended to prevent the spread of the contagious and deadly plague. Info >>


Katalog | catalogue: Svenja Wetzenstein - "Schatten, Staub und Wind | shadow, dust and wind"

Februar | february 2020, erschienen im | published by:

Verlag Kettler, Dortmund, www.verlag-kettler.de >>>

ISBN 978-3-86206-801-2


Texte | Texts
„Letzte Bilder“ Ludwig Seyfarth, Berlin
„Deep Sea“ Alexandra Waligorski, Hamburg


Gestaltung | Graphic design
Sabine Schellhorn, Bremen